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Mit Freunden, Verwandten und der Umwelt zurecht kommen

Die Tatsache, dass Ihr Kind geistig behindert ist, kann auch die Beziehung zu Freunden und Verwandten verändern oder sogar belasten. Und nicht immer sind die lieben Zeitgenossen eine reine Hilfe – aber vielleicht öfter, als Sie zunächst denken.

 
Opa mit Enkelkind
Gute Beziehungen zu Freunden und Verwandten sind eine wichtige Unterstützung für Familien mit behinderten Kindern.
 

Auch Freunde und Verwandte müssen sich auf die neuen Gegebenheiten einstellen. Vielfach sind sie ratlos, wie sie mit der Behinderung ihres Kindes umgehen sollen: Fragen? Aus Rücksicht und um Ihre Gefühle nicht zu verletzen höflich darüber hinweggehen?
Auch Freunde und Verwandte brauchen Zeit und Hilfe, um mit der neuen Familiensituation umzugehen und ihre Gefühle zu "orten". Manche Beziehungen zu nahestenhenden Personen sind schon durch die Geburt eines behinderten Kindes zu Bruch gegangen - andere haben sich dadurch noch intensiviert.

"Bei Grosseltern, Onkeln, Tanten und Nachbarn fanden wir Verständnis und Unterstützung. Aber sonst - man war zurückhaltend bis verständnislos. Selbst gute Freunde fanden bei spärlicher werdenden Nachrichten nur Bedauern für uns und das Sorgenkind. Und wir wollten doch kein Bedauern, kein Mitleid. Was wir suchten, war Hilfe für unseren Jungen, um ihn aus seinem Insichgekehrtsein, aus seinem Gefängnis gegenüber der Umwelt herauszuholen. Sicher lag es auch an uns, dass Freundschaften zerbrachen und dunkle Wolken über unserer Familie lasteten."

So paradox dies zunächst klingt: Ihre Freunde brauchen in der ersten Zeit Ihre Hilfe. Sie müssen spüren, dass Sie zu Ihrem Kind stehen und müssen von Ihnen erfahren, welchen Umgang Sie für sich und Ihr Kind mit diesen Freunden wünschen. Versuchen Sie mit den Verwandten möglichst bald und möglichst offen über die Behinderung Ihres Kindes zu sprechen.

Erklären Sie, welche Auswirkungen die Behinderung auf das Kind hat, und was es jetzt braucht. Erklären Sie auch, dass Ihre Zeiteinteilung vielleicht am Anfang oft von den Bedürfnissen Ihres Kindes bestimmt wird, damit sich Freunde und Verwandte darauf einstellen können und Pausen in Kontakten nicht als Rückzug interpretieren. Und sollte es vorkommen, dass jemand bei Ihnen oder Ihrem Partner oder Ihren Familien die "Schuld" sucht, dann fahren Sie ruhig sofort kräftig dazwischen - auch wenn dazu ein "reinigendes Gewitter" nötig ist.

Scheuen Sie sich nicht, um Unterstützung zu bitten (z.B. in Form von Babysitten) oder andere normalen Erwartungen an Ihre Familie oder Freunde zu richten.

Und im übrigen: Machen Sie nicht die Behinderung Ihres Kindes zum ständigen Thema Ihrer Beziehungen zur Umwelt. Das verständliche Bedürfnis, über Ihre Situation nachzudenken, kann unversehens auch zur Falle werden, der zum Rückzug der anderen führen kann.

Sehr oft wird von negativen Einstellungen der Umwelt gegenüber Kindern mit Behinderungen und deren Familien berichtet. Auch wir wissen die eine oder andere Geschichte von unseren schlechten Erfahrungen zu erzählen.
Es gibt aber auch die andere Seite:
Viele von uns machen die überraschende Erfahrung, dass ihnen viele Menschen sehr hilfreich gegenüberstanden. Wie bei Freunden und Verwandten lohnt es sich, sich Zeit zu nehmen und den Nachbarn zu erklären "was mit ihrem Kind los ist" - woher sollten sie es sonst wissen?
"Als Gerhard nach zwei Jahren Schule eines Tages den Text eines Plakates in Gegenwart unserer Nachbarin laut las, war sie ganz überrascht, dass der Bub das konnte. Seither hat sich ihre Beziehung zu ihm grundlegend geändert. Sie ist freundlich zu ihm, bringt ihm gelegentlich ein kleines Geschenk mit und kommt auch hin und wieder zum Babysitten."