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Alter und Behinderung

Viele Eltern behinderter Kinder beschäftigt die Frage: Wie wird mein behinderter Sohn, meine Tochter im Alter versorgt sein, wenn wir nicht mehr sind? Meist haben die behinderten Kinder keine eigene Familie gegründet, oft fehlt es auch an einem sozialen Netz, das Freunde bieten können - darum sorgen sich Eltern zurecht.

 

„Menschen mit geistiger Behinderung werden nicht alt!“ – Wie oft hört man noch diesen Satz. Menschen mit geistiger Behinderung werden alt! Gute Lebensumstände, zu denen eine ansprechende Wohnung, gute Betreuung und Aktivierung, sowie die entsprechende medizinische Hilfe, aber auch die Sicherheit auf einen würdevollen Lebensabend, gehören, ermöglichen es.

Wie kann nun so ein „Altern mit Würde“ vor sich gehen?
Zuerst einmal müssen die (z. T. unterschiedlichen) Bedürfnisse der alten und alternden Menschen wahrgenommen werden. Diese können sein: vermehrter Wunsch nach Ruhe, eine kleine Gruppe, ein geregelter Tagesablauf, entsprechende Ernährung, pflegerische und medizinische Erfordernisse, usw. Dann gilt es einen entsprechenden Rahmen um diese Personen mit ihren Bedürfnissen zu gestalten.

Die Lebenshilfe Wien hat deshalb ein differenziertes Angebot für alte Menschen mit Behinderung geschaffen:

  • Der Seniorentag: ein Tag pro Woche kann statt in der Werkstatt in der Wohneinrichtung verbracht werden. Dieser Tag dient der Erholung und orientiert sich an den Wünschen der Person.
  • Die Seniorengruppe in der Werkstatt: es gibt alt werdende und ältere Menschen die noch gerne in die Werkstatt gehen. Sie wollen aber eine Tagesbetreuung, die auf ihre Seniorität Rücksicht nimmt. Z. B. Reduzierung des Arbeitsanteils am Tag, Spaziergänge, Gespräche, Ruhemöglichkeiten, etc.
  • Die Seniorengruppe im Wohnhaus (Untertagsbetreuung): In einigen unserer Wohnhäuser gibt es die Möglichkeit, untertags dort betreut zu werden. Die Gruppe besteht aus 5 bis 8 Personen, die auch vorwiegend in diesem Hause wohnen. Dadurch ergeben sich viele Synergien im Tagesablauf, wie z.B. der Mittagsschlaf im eigenen Zimmer. Aktivitäten können mit Einzelnen, aber auch mit der Gruppe unkompliziert gemacht werden.

In Planung ist ein Wohnhaus mit Untertagsbetreuung insbesondere für alte und alternde Personen. In diesem Projekt sollen die pflegerischen Möglichkeiten erweitert und damit auch eine Übersiedlung in ein Pflegeheim bei entsprechender Pflegebedürftigkeit hintangestellt oder vermieden werden.

Gerade für alte Menschen mit geistiger Behinderung ist das Pflegeheim grundsätzlich keine Alternative. Es soll hier auch der Grundsatz „Mobile Pflege vor stationärer Pflege“ gelten. Das Wohnhaus ist das Zuhause des Bewohners. So wie nicht behinderte alte Menschen auch, möchten sie gerne in ihrer gewohnten Umgebung ihre Pension und auch ihren Lebensabend verbringen. Durch ein optimiertes Zusammenarbeiten von pädagogischen und pflegerischen Fachkräften kann dies weitgehend verwirklicht werden.
Deshalb bemühen wir uns auch um Adaptierungen in unseren Wohneinrichtungen (z. B. Lifte, Pflegebadewannen, etc.), eine entsprechende Personalausstattung und Fortbildung unserer MitarbeiterInnen, ebenso wie um die Zusammenarbeit mit externen Fachkräften wie die der mobilen Hauskrankenpflege oder des Hospiz-Teams.

Eine gute Förderung, Begleitung und Betreuung behinderter Menschen muss auch im Alter gewährleistet werden! Dies auch deshalb, weil in den nächsten Jahren eine große Anzahl alter Personen mit Behinderung dies einfordern werden.